PROUT EMPLOYER Infineon Technologies AG

„Mein Ziel ist es, Vielfalt in meinem direkten Verantwortungsbereich zu leben und zu fördern, scheue aber nicht davor zurück, darüber hinaus zu unterstützen.“

Raphael kam im Mai 2016 als Senior Expert für Ethical Hacking und Incident Management zu Infineon. Bevor er zu Infineon wechselte, arbeitete er als Sicherheitsberater für verschiedene nationale und internationale Unternehmen. 2017 übernahm Raphael seine erste Führungsrolle bei Infineon und baute das Cyber Defense Center als globales Team auf. Im Jahr 2020 übernahm und entwickelte er dann das Cyber Security Team bei Infineon. Im Juni 2023 wurde die Rolle auf alle Sicherheitsthemen ausgeweitet. Raphael war immer Teil von multinationalen Teams und Unternehmen, was ihm sehr viel Freude und Bereicherung im Arbeitsalltag bringt.

Raphael hat 2013 sein Studium der Informatik an der Universität Tübingen abgeschlossen. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Raphael wohnt in München, ist aber in Baden-Württemberg geboren. Fun Fact: Sein Schwäbisch ist genauso schlecht wie sein „Hochdeutsch“ ;).

Sie waren sofort zu einem Interview bereit – vielen Dank noch
einmal dafür! Warum ist es für Sie wichtig, queere Themen zu
unterstützen?

 

Raphael Otto: Vielfalt in allen Dimensionen, sei es Geschlecht, Nationalität, körperliche/geistige Fähigkeit oder sexuelle Orientierung, um nur einige zu nennen, liegt mir sehr am Herzen. Ich glaube, dass wir als Gesellschaft von unterschiedlichen Perspektiven profitieren. Ich glaube auch, dass wir als Arbeitgeber eine Verantwortung haben, wenn es darum geht, unsere Werte zu leben und zu fördern. Mein Ziel ist es, Vielfalt in meinem direkten Verantwortungsbereich zu leben und zu fördern, scheue aber nicht davor zurück, darüber hinaus zu unterstützen. Als ich gefragt wurde, ob ich als Sponsor für unsere LGBT* & Friends Community zur Verfügung stehen würde, fühlte ich mich sehr geehrt und sagte sofort zu.

Welche Initiative in Bezug auf Chancengleichheit für queere
Menschen war bei Infineon besonders erfolgreich?

 

Raphael Otto: Im Juni, während des Pride Months, nahm Infineon an mehreren Pride-Paraden (z. B. in München) teil, um seine Unterstützung zu zeigen und das Bewusstsein für die LGBTQIA+ Community, ihre Geschichte, Kultur und ihren kontinuierlichen Einsatz für Chancengleichheit zu stärken. Das sehr positive Feedback, das wir von unseren Mitarbeiter_innen und externen Stakeholdern erhalten haben, zeigt, dass unser Engagement gut ankommt und motiviert uns, unseren Einsatz für LGBTQIA+ weiterzuführen.

Was sind Ihre Wünsche und Ziele in Ihrer Rolle als Sponsor
für die Infineon LGBT* & Friends Community?

 

Raphael Otto: Während die LGBT* & Friends Community schon viel erreicht hat, stehen wir bei Infineon noch am Anfang unserer Reise. Mein Wunsch ist es, die Community durch Beratung, Sichtbarkeit und praktische Begleitung bei verschiedenen Aktivitäten und Veranstaltungen zu unterstützen. Insbesondere möchte ich den Kolleg_innen Hilfe anbieten, wenn es um das Thema LGBTQIA+ Inklusion auf globaler Ebene geht. Da wir ein weltweit operierendes Unternehmen sind, sind wir mit der Realität eines unterschiedlichen Bewusstseins und einer unterschiedlichen Akzeptanz von LGBTQIA+ Themen konfrontiert, was für unsere interne Gemeinschaft eine Herausforderung darstellen kann. Ich hoffe, dass ich dabei helfen und mich für sie einsetzen kann.

Wie reagieren Sie, wenn Menschen die Wichtigkeit von
queerer Inklusion in Frage stellen?

 

Raphael Otto: Wie bei jeder Dimension von Vielfalt und Inklusion versuche ich in der Regel zuerst, die Argumente hinter den Vorbehalten zu hören. Ich stelle die Argumente in Frage, indem ich die Bedeutung von Vielfalt für erfolgreiche Teams und das Bedürfnis aller Menschen nach einem Gefühl der Zugehörigkeit und Akzeptanz in der Gesellschaft und natürlich auch am Arbeitsplatz hervorhebe. Ich mache deutlich, dass jeder Mensch so akzeptiert werden möchte, wie er ist, und dass dies ein Menschenrecht ist, das nicht in Frage gestellt werden sollte.

Was hat Infineon motiviert, PROUT EMPLOYER zu werden und
was erhofft sich Infineon von der Kooperation mit
PROUT AT WORK?

 

Raphael Otto: Wir bei Infineon wollen einen Arbeitsort bieten, an dem jede Person akzeptiert wird, sich zugehörig fühlt und ihr authentisches Selbst bei der Arbeit einbringen kann. Die Teilnahme am PROUT EMPLOYER Programm ist eine großartige Chance für uns, unser Engagement für Diversity & Inclusion zum Ausdruck zu bringen und unser Wissen darüber zu erweitern, wie wir als PROUT EMPLOYER die LGBTQIA+ Mitglieder von Infineon unterstützen können. Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit PROUT AT WORK, die uns mit ihrer Expertise begleiten werden, um das beste Infineon für Menschen jeglicher sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität oder Geschlechtsausdruck zu schaffen.

Lieber Raphael Otto, vielen Dank für das Gespräch!

 

 

Eine Person im roten Kleid steht vor einer grauen Wand. Mit der rechten Hand stützt sie ihren Kopf ab.
© Marit Wiechmann
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marit
60 Jahre, ludwigsburg

Trans* ist etwas Wunderbares – dieser Satz fasst zusammen, was ich als Gender-Euphorie bezeichne.“

Veröffentlicht: Januar 2024

Coming-Out-Geschichten gibt es sehr viele und bei den meisten trans* Personen ähneln sie sich auf verblüffende Weise, obwohl wir sehr wohl alle einen sehr individuellen Weg gehen. Daher möchte ich auf meine verschiedenen Coming-Outs gar nicht eingehen.

Ich bin 60 Jahre alt und lebe seit fast vier Jahren offen als Frau – 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Das hat mein Umfeld recht abrupt erfahren müssen. Bis auf meine Partnerin und wenige vertraute Menschen war niemand vorbereitet. Trotzdem hat sich für kaum jemanden etwas verändert, als ich plötzlich als Frau aus der Tür ging. Hier möchte ich schildern, was mich auf meinem Weg begeistert hat und was mein Leben aus der Grauzone geholt hat.

Trans* ist etwas Wunderbares – dieser Satz fasst zusammen, was ich als Gender-Euphorie bezeichne.

Ein großer Moment war für mich mein erster Auftritt als Frau bei einem Seminargruppentreffen. Bis auf eine knappe Mail hatte ich vorab nichts über meine Veränderung verlauten lassen. Nachdem ich einige der Teilnehmenden länger nicht gesehen hatte, haben mich nicht alle sofort erkannt – doch das ging mir genauso. Die Verblüffung war zunächst groß, doch dann war das Eis gebrochen und die einhellige Meinung war, dass die anwesenden Damen (mich inbegriffen) sich besser gehalten haben als die doch mehr oder weniger gealterten Herren. Als ich dann wie selbstverständlich in die Runde der wenigen Frauen aufgenommen wurde, war klar, dass ich in meiner Welt angekommen bin.

Eigentlich war eine Hormontherapie nicht mein Ziel, doch ich wollte meine Haare nicht verlieren, also habe ich mich darauf eingelassen, Testosteron durch Östrogen zu ersetzen. Was ich nicht wusste, war, dass sich nicht nur mein Körper umstellt und plötzlich kälteempfindlich wird sowie weniger kräftig. Auch meine Gefühle konnte ich auf einmal wahrnehmen und zulassen. So stand ich dann mitunter in der Küche und hatte ohne äußeren Anlass Tränen in den Augen – vor Glück, dass mir das alles noch möglich geworden ist, was ich vorher nie erwartet hätte. Später gab es auch traurige Anlässe zum Weinen wie Abschiede oder zerbrochene Freundschaften.

Selbstbewusstsein war nie mein Ding als Mann. Woher auch, ich war ein Wesen, dass mit sich selbst nicht im Reinen war. Immer war ich in Abwehrhaltung, hatte Angst, Fehler zu machen oder mich zu blamieren. Vor lauter Vorsicht war ich nahezu unsichtbar.

Als Frau habe ich jetzt den Mut, Dinge zu tun, Entscheidungen zu treffen und Hilfe anzunehmen. Warum? Was soll schon passieren, wenn mal was schiefgeht? Ich bin schließlich ein Mensch mit Stärken und Schwächen und darf Fehler machen, aber auch erfolgreich sein.

Im Beruf war das am deutlichsten zu spüren. Meine Kolleg_innen akzeptierten mich, auch wenn ich mich oft weit aus dem Fenster gelehnt habe und manchmal zurückrudern musste.

Sind Frauen im Beruf gegenüber Männern benachteiligt? Ja, und das hat überwiegend strukturelle Gründe und ist weniger durch unterschiedliche Persönlichkeitsmuster bedingt. Dennoch sehe ich als spätberufene Frau mit männlicher Sozialisation die (Arbeits-)Welt automatisch immer aus zwei Perspektiven. Einerseits kenne ich die „typisch männlichen“ Verhaltensmuster wie Konkurrenzdenken oder Angst vor Versagen und kann mich darauf einstellen. Andererseits habe ich in den letzten Jahren „typisch weibliche“ Eigenschaften wie Kommunikationsfähigkeit, Empathie oder auch Kooperationsbereitschaft weiterentwickelt und setze diese bewusst im Sinne des jeweiligen Teamziels ein. Es begeistert mich immer wieder, dass ich gerade als Frau viel wirksamer in meiner Arbeitsumgebung bin als zuvor in meiner aufgezwungenen Männerrolle.

Eine wichtige Voraussetzung für meine Transition war die Unterstützung durch meinen Arbeitgeber. Das Statement des Managements für Diversity und gegen Diskriminierung hat es mir erlaubt, meinen Weg ohne Existenzängste anzugehen. Allerdings bekam ich kaum Unterstützung bei der praktischen Umsetzung. Jeden Schritt musste ich mir selbst erarbeiten und die nötigen Informationen beschaffen. Auch hatte ich keinerlei Vorbilder in meiner Arbeitswelt bis auf eine Kollegin im queeren Firmennetzwerk, die für sich eine Vornamensänderung erreicht hatte.

Diesen Zustand wollte ich verbessern und habe parallel begonnen, Online-Trainingssessions zum Thema Transgeschlechtlichkeit anzubieten und außerdem einen Firmenleitfaden zu verfassen. Meine Vorträge sind inzwischen gut besucht und tragen so zur Sichtbarkeit von Transgeschlechtlichkeit am Arbeitsplatz bei. Sie holen das Thema aus der dunklen Tabu-Ecke. Mit unserem Transgender-Guide haben wir viele positive Rückmeldungen bekommen und bald soll eine englischsprachige Version erscheinen. Freiwillige für die Übersetzung in andere Landessprachen haben sich schon gemeldet.

Positive Sichtbarkeit hat sich immer mehr zu einer Herzensangelegenheit für mich entwickelt. Negative Sichtbarkeit für trans* Personen gibt es schon genug und dem möchte ich etwas entgegensetzen.

So habe ich begonnen, meine Erfahrungen im Unternehmensumfeld als Beratungsleistung für andere Firmen anzubieten. Allerdings ist Sichtbarkeit oder auch Reichweite im Online-Business ausschlaggebend und da habe ich noch jede Menge zu erreichen. Mein neues Projekt hat zwar Potential, aber noch einen weiten Weg vor sich.

Ich möchte meine Gedanken mit einem persönlichen Erlebnis schließen, das mir gezeigt hat, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Vor einigen Wochen habe ich in einem Gebäude mit viel Glas eine attraktive Frau durch ein Fenster gesehen. Es war nur die obere Hälfte des Gesichts erkennbar und sie hat intensiven Blickkontakt gehalten. Sie war mir sofort sympathisch und ich wollte sie erreichen und ansprechen. Als ich mich in Bewegung setzte, bemerkte ich, dass ich sie schon kenne. Diese Frau war ich – gespiegelt im Fensterglas in der Dämmerung.

Es gibt viele schöne, kleine und große Begebenheiten und Entwicklungen auf meinem Weg – genauso wie auf dem Weg aller anderen trans* Menschen. Das möchte ich hier teilen, um in dieser schwierigen Zeit den Blick auf das Positive zu lenken.

Liebe marit, vielen Dank für YourStory!

Wir haben uns dazu entschieden, uns vom Begriff „LGBT*IQ“ zu verabschieden. Das Spektrum erweitert sich stetig und es ist uns wichtig, alle sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten in unserer Kommunikation einzuschließen.

Stattdessen verwenden wir ab diesem Jahr den Begriff „Queer“. Queer ist ein Sammelbegriff für alle Personen, deren geschlechtliche Identität und/oder sexuelle Orientierung nicht zweigeschlechtlich, cis-geschlechtlich und/oder heterosexuell ist.

Der Begriff zeichnet sich dadurch aus, dass er Identitäten nicht scharf abgrenzt, sondern dass seine Bedeutung sich ständig verschiebt. So stellen wir sicher, dass wir wirklich alle Personen ansprechen und niemanden exkludieren.

Aus unserem Slogan „LGBT*IQ geht alle an.“ wird „Queer geht alle an.“ – denn es geht uns ALLE an!  

„Wir haben im Laufe der letzten Jahre vermehrt Anfragen bekommen, ob wir unser Akronym ‚LGBT*IQ‘ erweitern können. Da wir niemanden in unserer Kommunikation ausschließen wollen – das mit dem Akronym aber immer schwieriger umzusetzen ist – haben wir uns für den Begriff ‚Queer‘ entschieden“, so Albert Kehrer, Vorstand der PROUT AT WORK-Foundation. „Der Begriff taucht auch in politischen Diskussionen vermehrt auf und wird insbesondere von rechts-konservativen Politiker_innen verstärkt abgelehnt – weshalb wir damit auch ein Zeichen setzen wollen: Wir unterstützen die gesamte Community, einschließlich aller geschlechtlicher Identitäten und sexueller Orientierungen!“

Ihr habt Fragen dazu? Schickt uns gerne eine Nachricht über unsere Social-Media-Kanäle oder eine E-Mail an info@proutatwork.de.

Auf dem Bild ist eine Person zu sehen, die rechts an der Kamera vorbeiblickt. Sie trägt auffälliges rotes Makeup und ein weißes Oberteil. Das Foto ist leicht verschwommen - rechts daneben ist ein leichter, reflektierender Stoff zu sehen.
© PROUT AT WORK / Armin Morbach
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julia
29 Jahre, düsseldorf

sich über erlebnisse, Gedanken, empfindungen, gefühle und wahrnehmungen auszutauschen und dabei eine verbindung zu menschen zu spüren, ist ein aspekt von vielfalt, auch geschlechtlicher vielfalt, den ich sehr wertvoll finde.“

Veröffentlicht: Dezember 2023

Zuerst ein paar Fakten über mich: Ich bin 29 Jahre alt, trans* und lebe seit etwas mehr als fünf Jahren als Frau. Aufgewachsen bin ich in einer Kleinstadt in Süddeutschland, wohne aber nach einigen Stationen hier und da mittlerweile in Düsseldorf. Dort arbeite ich bei einem Versicherungsunternehmen als Aktuarin und bin im LGBTIQ+ Mitarbeitenden-Netzwerk aktiv.

Als Aktuarin beschäftige ich mich viel mit Formeln und Zahlen. Ich setze mich zum Beispiel mittels mathematisch-statistischer Methoden mit der Modellierung, Bewertung und Steuerung von Risiken auseinander – bin also ziemlich rational im Job unterwegs. Gleichzeitig freue ich mich als Teil des LGBTIQ+ Netzwerks über jeden Austausch mit Menschen, um Gedanken, Gefühle und Perspektiven besser verstehen zu können, insbesondere zu Themen aus dem Bereich DEI (Diversity, Equity and Inclusion) und LGBTIQ+. Daraus können viele Ideen und Verständnis entstehen und ein gemeinsames, inklusives Miteinander wachsen. Beide Seiten der Arbeit machen mir viel Spaß!

Im Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt am Arbeitsplatz stehen für mich folgende Fragen im Fokus:

  • Schweigt man über einen wichtigen Teil der eigenen Identität oder kann man offen damit umgehen?
  • Kann man ein authentisches Selbst mit der Welt, den Mitmenschen und den Personen im Arbeitsumfeld teilen?
  • Wird man angenommen, wie man ist?
  • Funktioniert der Arbeitsplatz als System für eine Person?
  • Wird inklusiv mit Personen, Identitäten und ihren verschiedenen Bedürfnissen umgegangen?

Es geht um die Fragen: Wer bin ich? Wer möchte ich sein? Und dann auch: Kann ich diese Person am Arbeitsplatz sein? Diese Fragen sind sehr tiefgreifend. Das zu erkunden und herauszufinden war ein langer Weg für mich, der auch nie wirklich zu Ende sein wird, denke ich. Ein essenzieller Teil meines Weges waren die Menschen, die ich um mich hatte.

Für mich ist meine Identität als Frau, mein trans* Sein, mein Hier und Jetzt auch stark mit Menschen verbunden: mit meiner Schwester; mit Freundschaften, die mich schon lange begleiten; mit Menschen, die sichtbar waren und Raum eingenommen haben. Sie haben mir das Gefühl gegeben, die Freiheit zu haben, mich ausprobieren zu können, ohne dafür verurteilt zu werden.

Sie haben manche Fragen gestellt, aber gleichzeitig oftmals keine Fragen gestellt und mein Sein sich einen Weg bahnen lassen.  Das Gefühl, wenn sich etwas richtig anfühlt, ist unglaublich erfüllend und überwältigend. Dieses Gefühl musste ich zulassen können. Mit diesen Menschen habe ich viele dieser Momente zusammen erleben dürfen: gemeinsam Sport zu machen, den eigenen Körper wahrzunehmen und eine Beziehung dazu aufzubauen, den Körper als Medium des Ausdrucks zu nutzen, zu tanzen; Kleidung, Make-Up, Musik und Kunst als Interaktion mit der Außenwelt zu sehen und zu nutzen. In ihrer Vielfalt können sie so viel ausdrücken: Freude, Freiheit, Stärke und das Gefühl, die Welt umarmen zu wollen – aber genauso Ruhe, Schwäche, Trauer und das Gefühl, sich unter einer Decke verkriechen zu wollen. All das hat eine Dynamik in sich, die mir sehr viel gegeben und mir geholfen hat, die Fragen „Wer bin ich? Und wer möchte ich sein?“ zu erkunden.

Dabei führe ich gern Gespräche auf einer sehr menschlichen Ebene, die etwas Verbindendes ist, ohne dass man sich lange kennt. Menschlichkeit zu spüren und sich zuzuhören kann viel verändern: Man wird sich besser der eigenen Perspektive bewusst und erkennt auch eigene Privilegien. Gleichzeitig erweitert man die eigene Perspektive und sieht auch die Zusammenhänge und systemischen Aspekte. Sich über Erlebnisse, Gedanken, Empfindungen, Gefühle und Wahrnehmungen auszutauschen und dabei eine Verbindung zu Menschen zu spüren, ist ein Aspekt von Vielfalt, auch geschlechtlicher Vielfalt, den ich sehr wertvoll finde.

Liebe julia, vielen Dank für YourStory!
© PROUT AT WORK / Armin Morbach
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emre
32 Jahre, berlin

wenn mich menschen fragen, wie ich meinen erfolg erreicht habe,
antworte ich, dass er auf meinen erfahrungen mit trauma beruht.“

Veröffentlicht: Dezember 2023

Als ich mich damals bei meiner alleinerziehenden Mutter geoutet habe, wusste sie nicht viel damit anzufangen, weil sie eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft nicht kannte. Nach einigen Erklärungsversuchen meinte sie nur: „Emre, schon dein ganzes Leben lang wusstest du, das Gute vom Schlechten zu unterscheiden und immer den richtigen Weg einzuschlagen. Wenn diese Lebensform das Richtige für dich ist, dann unterstütze ich dich dabei.“ Das war wirklich einer der schönsten Momente in meinem Leben und hat die Bindung zwischen meiner Mutter und mir gestärkt. Denn es war nicht immer einfach …

Ich habe kein Abi, sondern nach dem qualifizierenden Hauptschulabschluss die Mittlere Reife und anschließend eine Ausbildung zum Personaldienstleistungskaufmann absolviert. Berufsbegleitend habe ich eine Weiterbildung zum Fachwirt gemacht und somit meine Hochschulzulassung erlangt. Sowohl meinen Bachelor of Law als auch meinen Master of Science in HR habe ich neben meinem Job gerockt.

Studieren und nebenher ein wenig zu jobben war für mich nicht drin, da ich die finanzielle Absicherung nicht hatte. Daher kam für mich nur ein Vollzeitjob infrage, den ich um ein Studium am Abend und am Wochenende ergänzt habe.

Viel Freizeit hatte ich damals nicht, aber es war schon immer mein Lebenstraum, zu studieren. Aus meiner damaligen Sichtweise habe ich ein Studium immer mit einem Privileg für Personen aus gutem familiärem Umfeld mit entsprechendem finanziellem Background verbunden.

In meinem Leben hatte die ethnische Diskriminierung zur Folge, dass mir zum Beispiel auf der Schule gesagt wurde, dass ich mit meiner ‚Herkunft‘ nicht viele Chancen haben werde. Außerdem habe ich zwei Ausbildungen abgebrochen, weil ich wegen meiner Armutsbiografie und meiner Nicht-Binärität extreme Formen von Klassismus und Homofeindlichkeit erlebt habe. Heute arbeite ich bei Google, lebe offen nicht-binär, bin als Antidiskriminierungsexperte tätig und mehrfach ausgezeichnet worden. Ich spreche als Experte mit Ministerien und den größten Konzernen der Welt.

Wenn mich Menschen fragen, wie ich meinen Erfolg erreicht habe, antworte ich, dass er auf meinen Erfahrungen mit Trauma beruht. In unserer Gesellschaft muss man außergewöhnlich sein, um existieren zu dürfen, und ich habe gelernt, damit umzugehen.

Daneben bin ich auch leidenschaftlicher Fußballspieler. Ich habe während meiner Zeit in München im ersten schwulen Fußballteam Deutschlands gespielt und mich dabei für LGBTQIA+ im Sport engagiert. Ganz aktuell habe ich den Verein ‚WeSpeakYouDonate‘, der sich für Vielfalt einsetzt, und ‚Occtopus‘ gegründet. Occtopus ist ein Unternehmen, das Kinderspiele entwickelt, um Vorurteile und Stereotype bei Kindern und Eltern aufzudecken. Darüber hinaus bin ich auch Content Creator auf LinkedIn und betreue meinen eigenen YouTube-Kanal ‚Emres Pink Pillow‘.

Aufgeben stand für mich nie zur Debatte. Ich habe mich immer wieder selbst motiviert und einfach weitergemacht.

Lieber emre, vielen Dank für YourStory!
© PROUT AT WORK / Armin Morbach
MYSTORY mit …

anastasia
49 Jahre, berlin

meine nicht-anpassung, mein sichtbarer ausdruck als gender non-conforming, nimmt mir nicht mein frausein.“

Veröffentlicht: November 2023

Ich weiß nicht wirklich, wann meine bewusste und beschwerliche Reise zu mir selbst begonnen hat. Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob das der entscheidende Punkt für diese Geschichte ist. Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, erkenne ich heute, dass ich unterscheiden muss und möchte zwischen dem Weg zu mir hin als transgeschlechtliche Frau und meinem Leben als trans* Frau. Diese Unterscheidung ist mir persönlich wichtig, denn das Leben nach dem Coming Out 2015 hat mich als trans* und queere Person deutlich mehr geprägt als alles andere davor.

Mit 17 Jahren fand ich mich im Kleiderschrank meiner Mutter wieder und fühlte etwas Unerklärliches.

Immer mehr keimte in mir die Gewissheit, dass ich eben nicht der Mann bin, den die Welt in mir sieht und mich entsprechend als solchen behandelt. Ich konnte und wollte mit diesen Gefühlen nicht umgehen. Ich drängte meine wahre Identität zurück und zwang mich in die klassischen heteronormativen Muster. Mit Mitte zwanzig heiratete ich meine erste Frau. Zu dem Zeitpunkt war ich auch bereits Soldat in der Bundeswehr. Ich wurde 1994 eingezogen und entschloss mich dann für die Offizierslaufbahn. Zwei Institutionen, die in mir beide einen Mann sahen und stets erwarteten, prägten mein Leben. Im Verdrängen meiner Bedürfnisse war ich gut. Das Fehlen von trans* Vorbildern in der Gesellschaft verstärkte in mir das Bedürfnis, aktiv gegen mein inneres Ich vorzugehen. Scham und Abscheu gegen mich selbst waren meine ständigen Begleiter.

2015 durchbrach ich endlich dieses Muster. Ich konnte nicht mehr und wollte auch nicht mehr. Es war kein Mut, sondern Verzweiflung. Ich wollte endlich leben. Ich wollte ich sein. Mit diesem Schritt fing die zweite Phase an. Noch während der Transition merkte ich, dass ich zwar ich sein konnte, aber auch dieser Weg von Hindernissen und einer nicht immer akzeptierenden Gesellschaft geprägt war. Ich wollte sichtbar sein für andere trans* Personen. Ich wollte ein Orientierungspunkt für andere sein, meine Geschichte erzählen. Dieser Gedanke erweckte unwahrscheinlich viel Kraft in mir. Ich engagierte mich mehr und mehr und wurde langsam zu einer Aktivistin für trans* und queere Rechte – sowohl an meinem Arbeitsplatz als auch außerhalb der Gesellschaft.

Ich wehrte mich weiterhin gegen fremdbestimmte Zuschreibungen und Rollenerwartungen an mein nach außen gelebtes, weibliches Geschlecht. Ich habe genug davon, ständig daran gemessen zu werden, wie weiblich ich auf Dritte wirke.

Welche Attribute an mir, an meinem Körper, mich in der Fremdwahrnehmung als Frau bestätigen und welche den Hinweis auf meine nicht-cis-Natur geben. Ich bin froh, endlich an dem Punkt angekommen zu sein, der Bestätigung durch andere nicht länger zu bedürfen. Jahrelang hat mich das Gefühl, äußerlich nicht als Frau bestehen zu können, in meiner Identität zurückgehalten. Und meine nicht-Anpassung, mein sichtbarer Ausdruck als gender non-conforming, nimmt mir nicht mein Frausein.

Ich bin Anastasia, 49, bunt, laut und queer. Ich bin ein Einhorn in Flecktarn und kämpfe bis zum Äußersten für die Sache, an die ich glaube. Revolution statt Evolution.

Liebe anastasia, vielen Dank für YourStory!
© PROUT AT WORK / Armin Morbach
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duke
28 Jahre, hamburg

„manchmal frage ich mich, ob ich nicht zu ‚langweilig‘ für
jemand queeres bin.“

Veröffentlicht: November 2023

Ich bin Duke, eigentlich sogar Aaron Duke, aber alle kennen mich als Duke. Der Name Aaron kommt von meinen Eltern. Da ich ein trans* Mann bin, durfte ich meine Vornamen neu auswählen und mir war es wichtig, dass mir meine Eltern wieder meinen ersten Namen geben. Ich bin 28, in Deutschland geboren und habe chinesische Wurzeln.

Mit 17 Jahren fand ich mich im Kleiderschrank meiner Mutter wieder und fühlte etwas Unerklärliches.

Ich wusste sehr lange nicht, was mit mir war. Ich war immer anders und gehörte zu den Leuten, die alles versucht haben, um dazuzugehören. Mit 14 habe ich dann beschlossen, meine Haare abzuschneiden, mir Kleidung aus der Jungs-Abteilung zu kaufen und endlich mehr Ich zu sein. Doch auch das war echt schwierig. Ich erkannte, dass ich ein Mann bin, doch fragte mich, was denn einen Mann ausmacht und wie Männer sein sollen?

Ich verlor mich in einer Welle der toxischen Männlichkeit. Wollte stark sein, wollte groß sein, wollte Mann sein. Bin ich jetzt ein Mann? Menschen misgenderten mich, haben nicht verstanden, was ich darstellen wollte, verurteilten und belächelten mich – ich wollte doch nur ein Mann sein.

Ein Mann weint nicht, ein Mann ist nicht schwach, ein Mann schminkt sich nicht. Ich hatte viele Momente vor meiner Transition, in denen ich versucht habe, mich zu schminken. Der Gedanke, Schminke oder Nagellack zu tragen, verflog immer mehr mit meiner Transition. Ich bin nun ein Mann und alle sehen es auch so. Doch dürfen sich nur Frauen schminken? Dürfen nur Frauen bunte und glitzernde Dinge tragen? Ich muss ehrlich sein, ich fühle mich in meinen unscheinbaren, meist dunklen Klamotten schon wohler. Ich würde mich in einem Kleid oder mit ausgefallenem Lidschatten wahrscheinlich nicht wohl fühlen. Aber warum nicht? Warum dürfen nur Frauen das? Warum fühle ich mich damit unwohl? Weil Männer das nun mal nicht tun? Weil uns Männern das immer abgesprochen wird? Weil wir belächelt werden? Weil wir dann verrückt und unseriös sind?

Ich wehrte mich weiterhin gegen fremdbestimmte Zuschreibungen und Rollenerwartungen an mein nach außen gelebtes, weibliches Geschlecht. Ich habe genug davon, ständig daran gemessen zu werden, wie weiblich ich auf Dritte wirke.

Ich bin 28. Seit sechs Jahren auf Testosteron. Vor vier Jahren Brust- und Gebärmutterentfernung. Seit einigen Jahren in meinem Ich angekommen. Und doch ist meine Selbstfindung noch nicht beendet.

Lieber duke, vielen Dank für YourStory!
BIG IMPACT INITIATIVE AWARD:
UNITE von Covestro

Manche Unternehmensbereiche werden durch LGBT*IQ-Unternehmensnetzwerke mehr erreicht, andere haben kaum Berührungspunkte damit. Bis dato gab es wenig Best-Practice-Beispiele für LGBT*IQ-Aufklärungsarbeit in Produktionsbetrieben. UNITE hat sich dieser Thematik angenommen und für 200 Mitarbeiter_innen aus der Produktion einen Workshop zum Thema LGBT*IQ veranstaltet. Dadurch konnte das Netzwerk eine Vorreiterrolle einnehmen.

Aufgrund der durchweg positiven Resonanz von Beschäftigten und Führungskräften wurde das Netzwerk eingeladen, Workshops an allen Unternehmensstandorten in Nordrhein-Westfalen durchzuführen. Parallel dazu veranstaltete UNITE auch Workshops in anderen Unternehmensbereichen, zum Beispiel in der Verwaltung, Technik oder Forschung, und trägt so zu mehr LGBT*IQ-Chancengleichheit am Arbeitsplatz bei.

RISING STAR AWARD:
bunt/lb von nord/lb

Trotz der Gründung Anfang letzten Jahres hat dieses Netzwerk bereits eine Vielzahl an kreativen Aktionen geplant und durchgeführt. BUNT/LB steht für Akzeptanz und Verständnis auf allen Ebenen des Miteinanders. Neben Vertreter_innen der LGBT*IQ-Community setzen sich auch Allys als Mitglieder der Stiftung für die Belange des Netzwerks ein; die Vorständin agiert auch als Patin.

Am diesjährigen Diversity-Tag hat BUNT/LB alle Mitarbeiter_innen dazu aufgerufen, weiße Gummientchen bunt zu bemalen. Die über 200 kreativ gestalteten Entchen aus verschiedenen Standorten gingen im Anschluss gemeinsam im Unternehmens-Teich baden. Diese kreative Idee war ausschlaggebend bei der Entscheidung für BUNT/LB.

GLOBAL LEADER NETWORK AWARD:
shine von pwc

Dieses Netzwerk setzt sich nicht nur seit bereits zehn Jahren für die LGBT*IQ-Community ein, sondern ist darüber hinaus auch global in über 30 Ländern aktiv. 2023 hat Shine erstmals eine Global LGBT*IQ Inclusion Strategy eingeführt, die die Chancengerechtigkeit der LGBT*IQ-Community mit konkreten Maßnahmen und Zielsetzungen weiter fördern soll. Zu diesen Maßnahmen zählen die Sensibilisierung von Führungskräften, der Ausbau des Netzwerks, die Erhebung von Daten zu Bedürfnissen von LGBT*IQ-Mitarbeiter_innen sowie die Bereitstellung von Bildungsmöglichkeiten und eine stärkere Sichtbarkeit durch Vorbilder.

Um Mitarbeiter_innen diese Lernerfahrungen zu ermöglichen, wurden den gesamten Juni hindurch Workshops, Diskussionsrunden und andere Veranstaltungen angeboten – auch über Staatsgrenzen hinweg – womit Shine dem Titel „Global Leader“ alle Ehre macht.

sustainability AWARD:
pride+ von
hogan lovells

Bei Hogan Lovells werden Diversität und Inklusion international an allen Standorten als strategische Priorität gesehen, was unter anderem durch Richtlinien zu Diskriminierung, die alle LGBT*IQ-Identitäten unter Schutz stellen, sowie eine eigene Gender Pronoun Policy deutlich wird. In den sechs Jahren seit seiner Entstehung hat Pride+ es sich zur Aufgabe gemacht, alle Mitarbeiter_innen und Führungskräfte zu Unconcious Bias zu schulen und das Thema LGBT*IQ auch in die Recruiting-Prozesse miteinzubinden. In Deutschland selbst gilt zudem seit zwei Jahren eine Empfehlung zu genderneutraler Sprache am Arbeitsplatz, die durch wiederholte Schulungen nachhaltig gefestigt wird.

Pride+ hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2025 eine LGBT*IQ-Quote von mindestens 4% unter seinen globalen Unternehmenspartner_innen zu erreichen. Diese Vision war ein entscheidender Faktor bei der Entscheidung für Pride+.

© PROUT AT WORK / Armin Morbach
MYSTORY mit …

Mano
Berlin

Ehrlich gesagt habe ich mich nie geoutet, weil ich mich nie verstecken musste.

Veröffentlicht: Oktober 2023

Es gibt viele Menschen und Ereignisse, die mich im Laufe meines Lebens geprägt, schockiert und inspiriert haben. Meine Eltern, meine Familie sind meine wichtigsten Vorbilder. Sie haben mir zentrale Eigenschaften und Kompetenzen wie Mut, Respekt und Demut vermittelt. Sie haben den Boden geschaffen, auf dem ich wachsen kann. Meine Eltern wussten sicherlich schon vor mir von meiner Homosexualität. Sie haben allerdings nie nachgefragt – aus Unsicherheit, Angst oder Respekt, ich weiß es nicht. Oder aus dem Grund, weil sie mich lieben. Ehrlich gesagt habe ich mich nie geoutet, weil ich mich nie verstecken musste.

Ich wusste schon sehr früh, dass ich anders bin – durch mein Aussehen, meine Herkunft und auch meine Beziehung zu Jungs.

Ich habe großes Glück, eine liebevolle und respektvolle Familie zu haben. Ich möchte anderen Menschen, die schlechte Erfahrungen gemacht haben, Mut machen und Perspektiven aufzeigen.

Heute arbeite ich als Associate Project Director – Real World Evidence bei Parexel International GmbH. Wir ermöglichen Patient_innen mit schweren oder lebensbedrohlichen Erkrankungen den Zugang zu nicht-zugelassenen Arzneimitteln, wenn keine vergleichbaren alternativen Behandlungsmöglichkeiten bestehen, und gewährleisten gleichzeitig eine bestmögliche medizinische Versorgung.

Ich identifiziere mich als queer und glaube, dass eine vielfältige, gerechte und inklusive Welt Fortschritt bedeutet, den Zugang zu besserer Gesundheitsversorgung erleichtert und die Rechte marginalisierter Gruppen stärkt.

Die meisten, wenn nicht alle klinischen Studien konzentrieren sich beim Testen von Arzneimitteln nur auf das binäre Geschlechtermodell, also Mann und Frau – aus Gründen der Sicherheit, Wirksamkeit und Dosierung. Wenn wir keine Informationen über die Geschlechtsidentität sammeln, bedeutet das, dass es möglicherweise einige Krankheiten, Zustände und Risikofaktoren gibt, die in unserer Gemeinschaft ein erhebliches Problem darstellen und uns nicht bekannt sind. Herkömmliche Untersuchungsverfahren, die Vorlagen für Protokolle und Einverständniserklärungen sowie die von uns gesammelten Daten sind oft so konzipiert, dass sie den spezifischen Bedürfnissen und demografischen Gegebenheiten der trans* Community nicht gerecht werden.

Unser Engagement für die Patient_innen muss uns dazu motivieren, einen vielfältigen Patient_innenpool zu erfassen, der unsere Gesellschaft repräsentiert. Wir sind dabei, Methoden, Trainings und Dokumente aufzusetzen, um die Aufnahme von LGBT*IQ-Patient_innen in klinische Arzneimittelstudien zu fördern. Wir müssen medizinisches Fachpersonal besser schulen, damit sie LGBT*IQ-Patient_innen, einschließlich trans* nicht nicht-binäre Menschen, motivieren, an klinischen Studien teilzunehmen.

Ich wünsche mir mehr gegenseitiges Vertrauen und Respekt von trans* und nicht-binären Personen und medizinischen Fachkräften im Rahmen der klinischen Forschung.

MANO, vielen Dank für YourStory!

X hat sich zu einer Plattform entwickelt, auf der rassistische, queer- und transfeindliche, antisemitische sowie andere menschenfeindliche Inhalte immer verbreiteter werden. Diese Inhalte werden nicht gelöscht oder strafrechtlich verfolgt. Stattdessen gelten seit der Übernahme von Elon Musk Wörter wie „cis“ oder „cisgender“ als Beleidigung.

Musk hatte Twitter im Oktober 2022 für 44 Milliarden US-Dollar gekauft und seitdem mehr als die Hälfte aller Mitarbeiter_innen entlassen. Stattdessen führte er ein Abomodell ein, bei dem die Nutzer_innen das blaue Verifikationshäkchen gegen eine monatliche oder jährliche Zahlung erhalten. Dank diesem erreichen Profile, die diskriminierende Inhalte verbreiten, eine noch größere Reichweite.

PROUT AT WORK lehnt jegliche Form der Diskriminierung ab und setzt sich für LGBT*IQ-Chancengleichheit ein. Die Stiftung schafft inklusive Räume, in denen Diskriminierung und Vorurteile keinen Platz haben. Deshalb ist ein Verbleib auf X für PROUT AT WORK nicht mehr vertretbar.

Die PROUT AT WORK-Foundation schließt sich der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, dem Bundesverband trans*, der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität und vielen weiteren Vereinen und Organisationen an, um ein Zeichen gegen Hass und für Vielfalt zu setzen.

„Unser Ausstieg bei X ist ein klares Signal an die Öffentlichkeit, dass wir Hassrede nicht tolerieren. Wir wollen andere Organisationen dazu animieren, diesen Schritt auch zu gehen und ihre Präsenz bei X zu beenden“, so Albert Kehrer, Vorstand der PROUT AT WORK-Foundation. „Plattformen und soziale Medien müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein und effektive Maßnahmen ergreifen, um menschenfeindliche Äußerungen und Diskriminierung zu bekämpfen und marginalisierte Gruppen zu schützen.“

Interessierte finden PROUT AT WORK weiterhin auf den sozialen Netzwerken Instagram, Facebook und LinkedIn.