Gleiche rechte fĂŒr alle?

Im ZDF Magazin Royale hat Jan Böhmermann mit trans* Feindlichkeit abgerechnet und trans* Personen eine Stimme gegeben. Dabei geht es vor allem um das Recht der freien Entfaltung fĂŒr alle, welches im Grundgesetz verankert ist (vgl. Art. 2 GG). FĂŒr diese freie Entfaltung der Persönlichkeit mĂŒssen aber auch heute noch trans* Personen hart kĂ€mpfen. Denn nach dem aktuell geltenden „Transsexuellengesetz“ mĂŒssen sich diese noch stark entwĂŒrdigende und diskriminierende Verfahren zur Anpassung ihres Personenstands an ihre geschlechtliche IdentitĂ€t unterziehen. Erst nĂ€chstes Jahr soll das 40 Jahre alte Gesetz vom neuen Selbstbestimmungsgesetz abgelöst werden. Einige Politiker_innen und TERFS (trans excluding radical feminsits) wollen dies mit allen Mitteln verhindern und trans* Personen somit ihre eigene geschlechtliche IdentitĂ€t absprechen und die freie Entfaltung einschrĂ€nken.

„Nicht trans-sein ist Mode – sondern transFeindlichkeit“

Abgerechnet wird besonders mit Alice Schwarzer, der Chefredakteurin der Zeitschrift Emma, welche das trans* Dasein als „Mode“ betitelt. Auch AfD-Politikerin Beatrice von Storch und ihre trans* feindliche Propaganda, welche die Existenz von trans* Menschen regelrecht leugnet, fĂŒhrt Böhmermann in seiner Show vor und zeigt auf, was wirklich dahintersteckt. Der Satiriker liefert Einblicke in die Strukturen und MachteinflĂŒsse, die hinter trans* feindlichen Akteur_innen und Kampagnen stehen. Oftmals sind das nĂ€mlich ganze Netzwerke und einflussreiche Persönlichkeiten. Dazu zĂ€hlen beispielsweise auch zwei Oligarchen, die mit dem russischen PrĂ€sidenten zusammenarbeiten und bis 2018 rund 188 Millionen Dollar in europĂ€ische anti-gender bzw. anti-trans* Kampagnen investiert haben oder auch die amerikanische „Alliance Defending Freedom“ (ADF), welche bisher 23 Millionen Dollar in trans* feindliche Kampagnen und Werbespots investiert hat. Hierbei werden oftmals typische trans* feindliche Argumente genutzt.

„Gewalt gegen Frauen findet meistens nicht in der Damenumkleide statt, sondern zuhause“

Böhmermann entkrĂ€ftet in seiner Show die typischen Argumente gegen trans* Personen und thematisiert das beschlossene Selbstbestimmungsgesetz. So argumentiert er gegen das „Eindringen von trans* Frauen in FrauenschutzrĂ€ume“ und das „Ausnutzen der Frauenquote“, indem er auf die Gewalt gegen Frauen eingeht, die meistens im eigenen zuhause stattfindet und nicht in der öffentlichen Umkleidekabine. Gegen das Ausnutzen der Frauenquote durch trans* Frauen argumentiert der Satiriker, dass Menschen es mit der „MĂ€nnerquote“ doch sowieso viel leichter hĂ€tten, also fĂŒr was sollte man aus diesem Grund den Personenstand Ă€ndern? Auch das oft verwendete Argument des biologischen Geschlechts entkrĂ€ftet der Moderator, indem er zeigt, dass es mehr als nur zwei biologische Geschlechter gibt.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die DatenschutzerklÀrung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Trans* Feindlichkeit ist ein alltĂ€gliches Übel unserer Gesellschaft, welches nicht nur stark diskriminierend ist und Menschen ihre IdentitĂ€t absprechen möchte, sondern auch gegen das Grundgesetz verstĂ¶ĂŸt. Jede_r sollte die eigene IdentitĂ€t zu jeder Zeit und an jedem Ort uneingeschrĂ€nkt und ohne Angst vor negativen Konsequenzen und Gewalt ausleben können. Wenn Sie ihre trans* Kolleg_innen zu einem diskriminierungsfreien Alltag auch am Arbeitsplatz verhelfen möchten, empfehlen wir Ihnen unseren kostenlosen HOW TO-Leitfaden zum Thema trans* und Transition am Arbeitsplatz.

WEITERE TIPPS FÜR TRANS* PERSONEN

Hier auf einen Blick ein Auszug zu weiteren Hilfestellungen:

  • Suchen Sie VerbĂŒndete und Role Models im Unternehmen
  • Wenn möglich, legen Sie mit dem Unternehmen gemeinsam einen Kommunikations- und Vorgehensplan an.
  • Ganz wichtig: Sie bestimmen das Tempo!
  • Vernetzen Sie sich mit dem LGBT*IQ-Netzwerk, falls ein solches vorhanden ist. Wir haben eine Liste von LGBT*IQ-Netzwerken in Unternehmen und Organisationen zusammengestellt.

TIPPS FÜR UNTERNEHMEN UND ALLIES

  • Ein Transition Guide gibt klar vor, wer zustĂ€ndig ist. Beachte: die trans* Person bestimmt das Tempo und ob eine Maßnahme umgesetzt werden soll. Jede Transition ist individuell
  • Namens- und PronomenĂ€nderung schon vor amtlicher Enscheidung ermöglichen
  • Schulungen sensibilisieren HR und FĂŒhrungskrĂ€fte
  • Aufbau und StĂ€rkung eines internen LGBT*IQ-Netzwerk mit eigenen Ansprechpartner_innen fĂŒr trans*
  • Informieren Sie sich ĂŒber das Thema trans*
  • Nutzen Sie eine genderinklusive Sprache, fragen Sie nach den Pronomen einer Person, damit sie die von der trans* Person gewĂ€hlten und nicht deren Deadname verwenden. Unter Deadname versteht man den alten, ablegten Namen einer trans* Person.
  • Stellen Sie nur Fragen, die Sie auch selbst beantworten wĂŒrden
  • Setzen Sie sich bewusst fĂŒr die Rechte und gegen die Diskriminierung von trans* Personen ein

Beratungsstellen

BUNDESVERBAND TRANS*

„Der Bundesverband Trans* (BVT*) versteht sich als ein Zusammenschluss von Einzelpersonen, Gruppen, Vereinen, VerbĂ€nden und Initiativen auf Regional-, Landes- und Bundesebene, deren gemeinsames Bestreben der Einsatz fĂŒr geschlechtliche Vielfalt und Selbstbestimmung und das Engagement fĂŒr die Menschenrechte im Sinne von Respekt, Anerkennung, Gleichberechtigung, gesellschaftlicher Teilhabe und Gesundheit von trans* bzw. nicht im binĂ€ren Geschlechtersystem verorteter Personen ist.“

DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR TRANSIDENTITÄT UND INTERSEXUALITÄT E.V.

„Die dgti hat sich zum Ziel gesetzt, die Akzeptanz von Transidenten innerhalb der Gesellschaft zu fördern und deren Stigmatisierung entgegenzuwirken. Sie soll Betroffene und Interessierte beraten und betreuen, sofern dies gewĂŒnscht wird. Ein wesentlicher Aspekt der Arbeit sollte die (Re-)Integration von Betroffenen in den Arbeitsprozess sein, um so der Gefahr des sozialen Abstiegs zu begegnen, der heutzutage noch mit dem sozialen Wechsel verbunden ist. Sie tritt fĂŒr mehr Offenheit der eigenen IdentitĂ€t gegenĂŒber ein und trĂ€gt der Vielfalt menschlichen Daseins Rechnung.“

TRANSMANN E.V.

„Bundesweiter, auf ehrenamtlicher Basis agierender und gemeinnĂŒtziger Verein fĂŒr alle Frau-zu-Mann (FzM/FtM) Trans* und Inter*-Personen.“

TRANSINTERQUEER E.V.

„TrIQ ist ein soziales Zentrum und ein politisch, kulturell und im Forschungsbereich aktiver Verein, der sich fĂŒr trans-, intergeschlechtliche und queer lebende Menschen in Berlin und darĂŒber hinaus einsetzt.“

TRANS*INTER*BERATUNGSSTELLE

„Das Projekt der MĂŒnchner Aids-Hilfe e.V. ist gleichermaßen fĂŒr trans* und inter* Menschen sowie deren Angehörige und Freund_innen da.“

TGEU

„TGEU ist eine mitgliederbasierte Organisation, die im Jahr 2005 gegrĂŒndet wurde. Seitdem ist TGEU stetig gewachsen und hat sich mit 157 Mitgliedsorganisationen in 47 verschiedenen LĂ€ndern als legitime Stimme fĂŒr die trans* Gemeinschaft in Europa und Zentralasien etabliert.“

Trans* Awareness Week und Trans Day of Remembrance

Die Woche vom 14.-20. November 2022 ist trans* Awareness Week. Hierbei geht es vor allem darum Sichtbarkeit fĂŒr die trans* Community zu schaffen und auf Probleme aufmerksam zu machen, denen trans* Menschen jeden Tag entgegentreten mĂŒssen. Zu Ende geht diese Woche am 20. November mit dem trans* Day of Remembrance, welcher als internationaler Gedenktag fĂŒr trans* Personen gilt, die im letzten Jahr durch trans*feindliche Gewalt zu Tode gekommen sind. Aus diesem Anlassen rufen wir zur Solidarisierung und zum aktiven Einsatz fĂŒr die Rechte von trans* Menschen auf und fordern dies auch von seiten der Politik.

Um der Geschichte der trans* Community Sichtbarkeit zu verleihen, stellen wir euch in diesem Beitrag fĂŒnf historische trans* Pionier_innen vor.

Alan L. Hart (*1880 †1962)

Alan L. Hart war ein trans* Mann, der nicht nur als erste Person in den USA eine vollstÀndige GebÀrmutterentfernung erhielt, sondern war Alan auch Schriftsteller, Forscher und Arzt, welcher durch moderne Röntgendiagnosen mehreren tausend Tuberkuloseerkrankten das Leben rettete.

Dora (Dorchen) Richter (*1891 †unbekannt)

Ebenso Dora „Dorchen“ Richter ist heute eine historisch wichtige trans* Frau. Sie war die erste bekannte Person Deutschlands, die sich zwischen 1922 und 1931 einer kompletten Geschlechtsangleichung unterzog. Dorchen arbeitete als Hausangestellte neben einigen anderen trans* Personen fĂŒr Magnus Hirschfeld, dem Leiter des Berliner Institutes fĂŒr Sexualwissenschaften, bis dieses 1933 von einem Nazimob angegriffen und zerstört wurde. Unklar ist jedoch ob Dora bei diesem Angriff ermordet wurde, oder im Laufe der nĂ€chsten Jahre durch Nazis ums Leben kam, denn ab diesem Tag gab es keine weiteren Aufzeichnungen von ihr.

Lucy Hicks Anderson (*1886 †1954)

Eine echte trans* Pionierin ihrer Zeit war auch Lucy Hicks Anderson. Schon als kleines Kind sagte sie ihren Eltern, dass sie lieber MĂ€dchen sein und Lucy genannt werden wollte. Lucy heiratete zwei MĂ€nner in ihrem Leben und kĂ€mpfte fĂŒr dessen rechtliche Wirksamkeit, da sie bei der Geburt dem mĂ€nnlichen Geschlecht zugeordnet wurde. Dies machte sie zu einer sehr frĂŒhen KĂ€mpferin fĂŒr die Ehe fĂŒr alle sowie fĂŒr die Rechte von trans* Menschen.

Willmer “Little Axe” Broadnax (*1916 †1992)

Auch Willmer Broadnax, einer der ersten aufgezeichneten POC trans* MĂ€nner in den USA, ist eine spannende trans* Persönlichkeit, obwohl dies bis zu seinem Tod kaum jemand wusste. Erst nach dem er in einem Streit von seiner Partnerin erstochen wurde, stellte sich bei der Autopsie heraus, dass er ein trans* Mann war. Willmer war in seiner Lebenszeit keine unbekannte Person, er war ein national berĂŒhmter und beliebter GospelsĂ€nger, bekannt unter seinem Spitznamen „Little Axe“.

Toni Simon (*1887 †1979)

Toni Simon wĂŒrden wir in der heutigen Zeit als deutsche_r Pionier_in der Nicht-BinĂ€ritĂ€t bezeichnen. AnlĂ€sslich Tonis siebzigsten Geburtstages wurde 1956 eine Kollage von Tonis verschiedenen Lebensphasen erstellt, welche dann auch als Postkarte versendet wurde. Darin ist Toni in fĂŒr diese Zeit verschiedenen Geschlechterrollen zu sehen, vor allem zu beginn steckte Toni eher in mĂ€nnlichen MilitĂ€runiformen und AnzĂŒgen. Als Toni dann Ă€lter wurde wurden es dann vermehrt ausgefallene Kleider. Hiermit wollte Toni vor allem die Regeln der BinaritĂ€t brechen und beweisen, dass man diese Grenzen auch ĂŒberschreiten kann.

Weitere Tipps fĂŒr trans* Personen

Die zitatgebenden Personen bieten bereits einen Einblick in UnterstĂŒtzungsmöglichkeiten. Hier auf einen Blick ein Auszug zu weiteren Hilfestellungen:

  • Suchen Sie VerbĂŒndete und Role Models im Unternehmen
  • Wenn möglich, legen Sie mit dem Unternehmen gemeinsam einen Kommunikations- und Vorgehensplan an.
  • Ganz wichtig: Sie bestimmen das Tempo!
  • Vernetzen Sie sich mit dem LGBT*IQ-Netzwerk, falls ein solches vorhanden ist. Wir haben eine Liste von LGBT*IQ-Netzwerken in Unternehmen und Organisationen zusammengestellt.

Tipps fĂŒr Unternehmen und Allies

  • Ein Transition Guide gibt klar vor, wer zustĂ€ndig ist. Beachte: die trans* Person bestimmt das Tempo und ob eine Maßnahme umgesetzt werden soll. Jede Transition ist individuell
  • Namens- und PronomenĂ€nderung schon vor amtlicher Enscheidung ermöglichen
  • Schulungen sensibilisieren HR und FĂŒhrungskrĂ€fte
  • Aufbau und StĂ€rkung eines internen LGBT*IQ-Netzwerk mit eigenen Ansprechpartner_innen fĂŒr trans*
  • Informieren Sie sich ĂŒber das Thema trans*
  • Nutzen Sie eine genderinklusive Sprache, fragen Sie nach den Pronomen einer Person, damit sie die von der trans* Person gewĂ€hlten und nicht deren Deadname verwenden. Unter Deadname versteht man den alten, ablegten Namen einer trans* Person.
  • Stellen Sie nur Fragen, die Sie auch selbst beantworten wĂŒrden
  • Setzen Sie sich bewusst fĂŒr die Rechte und gegen die Diskriminierung von trans* Personen ein

Beratungsstellen

Bundesverband trans*

“Der Bundesverband Trans* (BVT*) versteht sich als ein Zusammenschluss von Einzelpersonen, Gruppen, Vereinen, VerbĂ€nden und Initiativen auf Regional-, Landes- und Bundesebene, deren gemeinsames Bestreben der Einsatz fĂŒr geschlechtliche Vielfalt und Selbstbestimmung und das Engagement fĂŒr die Menschenrechte im Sinne von Respekt, Anerkennung, Gleichberechtigung, gesellschaftlicher Teilhabe und Gesundheit von trans* bzw. nicht im binĂ€ren Geschlechtersystem verorteter Personen ist.”

Deutsche Gesellschaft fĂŒr TransidentitĂ€t und IntersexualitĂ€t e.V.

“Die dgti hat sich zum Ziel gesetzt, die Akzeptanz von Transidenten innerhalb der Gesellschaft zu fördern und deren Stigmatisierung entgegenzuwirken. Sie soll Betroffene und Interessierte beraten und betreuen, sofern dies gewĂŒnscht wird. Ein wesentlicher Aspekt der Arbeit sollte die (Re-)Integration von Betroffenen in den Arbeitsprozess sein, um so der Gefahr des sozialen Abstiegs zu begegnen, der heutzutage noch mit dem sozialen Wechsel verbunden ist. Sie tritt fĂŒr mehr Offenheit der eigenen IdentitĂ€t gegenĂŒber ein und trĂ€gt der Vielfalt menschlichen Daseins Rechnung.”

Transmann e.V.

„Bundesweiter, auf ehrenamtlicher Basis agierender und gemeinnĂŒtziger Verein fĂŒr alle Frau-zu-Mann (FzM/FtM) Trans* und Inter*-Personen.“

TransInterQueer e.V.

“TrIQ ist ein soziales Zentrum und ein politisch, kulturell und im Forschungsbereich aktiver Verein, der sich fĂŒr trans-, intergeschlechtliche und queer lebende Menschen in Berlin und darĂŒber hinaus einsetzt.”

Trans*Inter*Beratungsstelle

„Das Projekt der MĂŒnchner Aids-Hilfe e.V. ist gleichermaßen fĂŒr trans* und inter* Menschen sowie deren Angehörige und Freund_innen da.“

TGEU

“TGEU ist eine mitgliederbasierte Organisation, die im Jahr 2005 gegrĂŒndet wurde. Seitdem ist TGEU stetig gewachsen und hat sich mit 157 Mitgliedsorganisationen in 47 verschiedenen LĂ€ndern als legitime Stimme fĂŒr die trans* Gemeinschaft in Europa und Zentralasien etabliert.”

Am 31. MĂ€rz findet der International Transgender Day of Visibility statt. Dieser Tag soll genutzt werden, um die trans* Community zu empowern, Awareness fĂŒr trans* Themen zu schaffen und auf bestehende diskriminierende Strukturen aufmerksam zu machen. Gerne möchten wir auch dieses Jahr dazu beitragen, mehr Sichtbarkeit fĂŒr das t* in LGBT*IQ zu erreichen.

Zum Auftakt fĂŒhrten wir deshalb bereits am 29. MĂ€rz ein Panel mit dem Thema “trans* at work – Bestehende Schwierigkeiten & diskriminierungsfreise Transitionen” durch. Gemeinsam mit unseren Panelist_innen Julia Monro und Andrea Schuler sprachen wir vor allem ĂŒber belastende Situationen, in denen sich trans* Menschen wĂ€hrend ihrer Transition wiederfinden können. Wir beleuchteten diese negativen Momente, ließen trans* Menschen mit ihren individuellen Erfahrungen zu Wort kommen, um bestehende diskriminierende Strukturen sichtbar zu machen. Uns ist wichtig auch diese Seite darzustellen, um dabei zu sehen und herauszuarbeiten, wo Verbesserungsmöglichkeiten fĂŒr Unternehmen und die zustĂ€ndigen Stellen – und damit fĂŒr die betreffenden trans* Menschen – bestehen. So können zukĂŒnftig Fehler vermieden werden, wodurch mehr trans* Menschen mit positiven GefĂŒhlen auf ihre Transition im Unternehmen zurĂŒckzublicken können.

Panelist_innen:

Julia Monro

Julia unterstĂŒtzt die Deutsche Gesellschaft fĂŒr TransidentitĂ€t und IntersexualitĂ€t e.v. in der Öffentlichkeitsarbeit und bietet Beratungen fĂŒr transgeschlechtliche Menschen an. 2018 grĂŒndete sie ein eigenes Projekt namens Transkids und bietet als Dozentin des PĂ€dagogischen Landesinstituts Workshops an Schulen an. Sie engagiert sich in der trans* Community zur Verbesserung der Lebenssituation von transgeschlechtlicher Menschen und berichtet u.a. aus ihrer eigenen Biographie von Diskriminierungserfahrungen in Gesellschaft und Arbeitswelt.

Andrea Schuler

Andrea Schulers Fachgebiet sind die Auswirkungen von GeschlechterdiversitĂ€t in sozialen und beruflichen Kontexten. Nach dem Bachelor of Arts in Management sozialer Innovationen war Andrea fĂŒr den Bundesverband Trans* an dem ERASMUS+ Projekt Transvisible zur Arbeitsmarktintegration von trans* Menschen beteiligt. Dort arbeitete sie u.A. an der Publikation TransVisible – Ein Leitfaden zur besseren Arbeitsintegration und zum wirtschaftlichen Empowerment von trans* Frauen mit. Andrea arbeitet als Psychosoziale Berater_in bei der Trans*Inter*Beratungsstelle MĂŒnchen.

Im Panel haben den beiden Expertinnen unter anderem die folgende Frage gestellt.

“Wie können sich Arbeitgeber_innen aufstellen, damit Transitionen gut laufen?”

Julia Monro, freie Journalistin und trans* Aktivistin

“Enorm wichtig ist die Orientierung an der Person selbst, d.h. sie gibt die Geschwindigkeit und die Richtung vor. Das vermittelt zusĂ€tzlich WertschĂ€tzung und respektiert selbst bestimmte Entscheidungen, wodurch Zufriedenheit und LoyalitĂ€t gesteigert werden.”

Andrea Schuler, Berater_in und Trainer_in, Trans*Inter*Beratungsstelle

“Viele trans* Personen verlassen bereits vor ihrer Transition das Unternehmen. Daher ist es unglaublich wichtig, dass ein Unternehmen schon vorab den Rahmen fĂŒr eine gute, gemeinsame und sichere Transition steckt.”

Um neben den bestehenden Schwierigkeiten auch Beispiele aufzuzeigen, wie eine gute und gemeinsame Transition im Unternehmen funktionieren kann, haben wir zudem trans* Personen folgende Frage gestellt.

“Was hat Dir im beruflichen Kontext wĂ€hrend der Transition am meisten geholfen?”

Alice Oehninger, Ausbilderin Biologie Laborant_innen, Boehringer Ingelheim

“Die unkomplizierte Änderung von Anrede und E-Mail, etc, schon vor meiner amtlichen NamensĂ€nderung hat mir immens geholfen. Meine Kolleg_innen haben mich von Anfang an stets korrekt angesprochen. Ihr Vertrauen und ihre FlexibilitĂ€t haben mich enorm gestĂ€rkt.”

Adrian Hausner, Site Reliability Engineer, Google Germany GmbH

„Mir hat besonders das Netzwerk ‘Trans at Google’ geholfen. So eine Community im RĂŒcken zu haben, stĂ€rkt ungemein, und die Tatsache, dass die Diskriminierung von trans* Personen absolut nicht akzeptiert wird, außerdem die Möglichkeit, genderneutrale Toiletten zu nutzen. Das ist auch fĂŒr non-binĂ€re Kolleg_innen sehr wichtig.“

Leonora Friese, Business Consultant, AXA Konzern AG

„WĂ€hrend meines Coming Outs und der Transition habe ich vor allem von der UnterstĂŒtzung durch HR profitiert. ZB durch die Information der Belegschaft mit einem Interview in der Mitarbeiter_innenzeitung, einer Podiumsdiskussion am DiversityDay und einem Video ĂŒber mich und meine TĂ€tigkeit im Konzern. Gemeinsam entwickelten wir auch einen Leitfaden zu Coming Out und Transition, um weitere Personen auch in Zukunft gut zu begleiten.“

Die zitatgebende Person möchte Anonym bleiben

„Als nicht-geoutete, nicht-intersexuelle nichtbinĂ€re trans* Person wĂŒrde ich eine große Erleichterung erleben, wenn mein Arbeitgeber meine geschlechtliche IdentitĂ€t anerkannt und unterstĂŒtzt – auch wenn die StandesĂ€mter das nicht tun. Dies beinhaltet fĂŒr mich insbesondere fest verankerte Angebote, meinen selbst gewĂ€hlten Vornamen ĂŒberall dort zu verwenden, wo es rechtlich möglich ist – bspw. im tĂ€glichen Umgang, in der E-Mail-Adresse, auf TĂŒrschildern, etc.“

Joschua Thuir, Lehrgruppenleiter | Fachlehrer fĂŒr Recht und Verwaltung, Bundespolizei

„Ich war sehr froh darĂŒber, vor meinem Outing am Arbeitsplatz, auf eine dienstlich beauftragte Ansprechperson zurĂŒckgreifen zu können welche ebenfalls trans* ist. Da sie bereits selbst Outing-Erfahrung in der Behörde gesammelt hatte und diese mit mir teilte, wurde ich auf ablehnende Reaktionen, indiskrete Fragen, sowie andere unangenehme Situationen gut vorbereitet.“

Franka Uhlig, Wirtschaftsinformatiker, IBM Deutschland GmbH

„Nach meinem Outing habe ich sofort positive Signale von meinem Management und von HR erhalten. Besonders hilfreich war die UnterstĂŒtzung bei der Änderung meines Namens in den Online-Systemen, auf meinem Mitarbeiterinnen-Ausweis und bei meiner Mail-Adresse, um zĂŒgig mein Auftreten als Frau im Unternehmen und gegenĂŒber Kunden sicherstellen zu können.“

Was kann mir als trans* Person im beruflichen Kontext helfen? Was fĂŒr Beratungsstellen gibt es, an die ich mich wenden kann? Neben Antworten auf diese Fragen, bieten wir zudem einen Auszug an Möglichkeiten auf, die Unternehmen haben, um eine Transition gut zu begleiten. Zudem gibt es weitere Tipps fĂŒr trans* Personen und zur Frage, wie Sie ein Ally sein können, indem Sie Kolleg_innen in der Transition unterstĂŒtzen.

Weitere Tipps fĂŒr trans* Personen

Die zitatgebenden Personen bieten bereits einen Einblick in UnterstĂŒtzungsmöglichkeiten. Hier auf einen Blick ein Auszug zu weiteren Hilfestellungen:

  • Suchen Sie VerbĂŒndete und Role Models im Unternehmen
  • Wenn möglich, legen Sie mit dem Unternehmen gemeinsam einen Kommunikations- und Vorgehensplan an.
  • Ganz wichtig: Sie bestimmen das Tempo!
  • Vernetzen Sie sich mit dem LGBT*IQ-Netzwerk, falls ein solches vorhanden ist. Wir haben eine Liste von LGBT*IQ-Netzwerken in Unternehmen und Organisationen zusammengestellt.

Tipps fĂŒr Unternehmen und Allies

  • Ein Transition Guide gibt klar vor, wer zustĂ€ndig ist. Beachte: die trans* Person bestimmt das Tempo und ob eine Maßnahme umgesetzt werden soll. Jede Transition ist individuell
  • Namens- und PronomenĂ€nderung schon vor amtlicher Enscheidung ermöglichen
  • Schulungen sensibilisieren HR und FĂŒhrungskrĂ€fte
  • Aufbau und StĂ€rkung eines internen LGBT*IQ-Netzwerk mit eigenen Ansprechpartner_innen fĂŒr trans*
  • Informieren Sie sich ĂŒber das Thema trans*
  • Nutzen Sie eine genderinklusive Sprache, fragen Sie nach den Pronomen einer Person, damit sie die von der trans* Person gewĂ€hlten und nicht deren Deadname verwenden. Unter Deadname versteht man den alten, ablegten Namen einer trans* Person.
  • Stellen Sie nur Fragen, die Sie auch selbst beantworten wĂŒrden
  • Setzen Sie sich bewusst fĂŒr die Rechte und gegen die Diskriminierung von trans* Personen ein

Beratungsstellen

Bundesverband trans*

“Der Bundesverband Trans* (BVT*) versteht sich als ein Zusammenschluss von Einzelpersonen, Gruppen, Vereinen, VerbĂ€nden und Initiativen auf Regional-, Landes- und Bundesebene, deren gemeinsames Bestreben der Einsatz fĂŒr geschlechtliche Vielfalt und Selbstbestimmung und das Engagement fĂŒr die Menschenrechte im Sinne von Respekt, Anerkennung, Gleichberechtigung, gesellschaftlicher Teilhabe und Gesundheit von trans* bzw. nicht im binĂ€ren Geschlechtersystem verorteter Personen ist.”

Deutsche Gesellschaft fĂŒr TransidentitĂ€t und IntersexualitĂ€t e.V.

“Die dgti hat sich zum Ziel gesetzt, die Akzeptanz von Transidenten innerhalb der Gesellschaft zu fördern und deren Stigmatisierung entgegenzuwirken. Sie soll Betroffene und Interessierte beraten und betreuen, sofern dies gewĂŒnscht wird. Ein wesentlicher Aspekt der Arbeit sollte die (Re-)Integration von Betroffenen in den Arbeitsprozess sein, um so der Gefahr des sozialen Abstiegs zu begegnen, der heutzutage noch mit dem sozialen Wechsel verbunden ist. Sie tritt fĂŒr mehr Offenheit der eigenen IdentitĂ€t gegenĂŒber ein und trĂ€gt der Vielfalt menschlichen Daseins Rechnung.”

Transmann e.V.

„Bundesweiter, auf ehrenamtlicher Basis agierender und gemeinnĂŒtziger Verein fĂŒr alle Frau-zu-Mann (FzM/FtM) Trans* und Inter*-Personen.“

TransInterQueer e.V.

“TrIQ ist ein soziales Zentrum und ein politisch, kulturell und im Forschungsbereich aktiver Verein, der sich fĂŒr trans-, intergeschlechtliche und queer lebende Menschen in Berlin und darĂŒber hinaus einsetzt.”

Trans*Inter*Beratungsstelle

„Das Projekt der MĂŒnchner Aids-Hilfe e.V. ist gleichermaßen fĂŒr trans* und inter* Menschen sowie deren Angehörige und Freund_innen da.“

TGEU

“TGEU ist eine mitgliederbasierte Organisation, die im Jahr 2005 gegrĂŒndet wurde. Seitdem ist TGEU stetig gewachsen und hat sich mit 157 Mitgliedsorganisationen in 47 verschiedenen LĂ€ndern als legitime Stimme fĂŒr die trans* Gemeinschaft in Europa und Zentralasien etabliert.”

Fragen?

Kontaktieren Sie uns bei Fragen und Anliegen rund um das Thema trans* am Arbeitsplatz! Wir helfen gerne weiter.

Zum diesjĂ€hrigen Transgender Day of Visibility teilen wir mit Euch einfache Tipps und VorschlĂ€ge, mit denen Ihr zu einem Ally fĂŒr trans* Menschen werden könnt. Ihr fragt Euch, was ein Ally ist und wollt mehr zum Thema #TDOV erfahren? Dann haben wir hier ein paar nĂŒtzliche Informationen fĂŒr Euch zusammengetragen.

#TDOV

Der Transgender Day of Visibility (kurz: TDOV) wird seit 2009 jĂ€hrlich am 31. MĂ€rz gefeiert und legt den Fokus auf die Sichtbarkeit von trans* Menschen. Wieso? Ganz einfach: trans* Menschen werden nach wie vor diskriminiert, benachteiligt und erfahren im öffentlichen Leben wenig Aufmerksamkeit. Deshalb wird dieser Tag genutzt, um auf MissstĂ€nde hinzuweisen, sich fĂŒr trans* Menschen einzusetzen und sie zu feiern.

  • trans* stellt einen Sammelbegriff dar, bei dem das * stellvertretend fĂŒr die vielen Bezeichnungen und AusprĂ€gungen von Geschlecht und geschlechtlicher IdentitĂ€t, die weit ĂŒber transsexuell, transident, etc. hinausgehen.

„Was kann ich als Ally tun, um trans* Menschen
zu unterstĂŒtzen?“

Was ist ĂŒberhaupt ein Ally?

Generell sind Allies VerbĂŒndete, also Menschen, die sich anderen gegenĂŒber solidarisch zeigen. Bei LGBT*IQ-Allies geht es grundsĂ€tzlich um die Solidarisierung mit Menschen, die aufgrund ihrer IdentitĂ€t, in Bezug auf Geschlecht, Ausdruck und SexualitĂ€t, gesellschaftliche Benachteiligung und/oder Diskriminierung erfahren.

FĂŒr die Solidarisierung mit und UnterstĂŒtzung von trans* Menschen gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Dabei stellen die hier angefĂŒhrten Beispiele nur einen Auszug und keine vollstĂ€ndige Liste dar. Vielmehr sind die Tipps als Inspiration zu verstehen, um sich bewusster mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Informieren:

Suche explizit nach trans* relevanten Themen im Internet.

Zum Einstieg können hier Filme, Reportagen, Internetseiten oder Social-Media-KanĂ€le fĂŒr eine erste AnnĂ€herung an das Thema hilfreich sein. Zur Vereinfachung haben wir Dir hier einige interessante sowie informative Beispiele aus unterschiedlichen Kategorien herausgesucht:

  • Becoming a Visible Man (2004): Autobiographie und Kommentar von Jamison Green.
  • Blaue Augen bleiben blau: Mein Leben. (2010): Biographie von Balian Buschbaum.
  • Eine fantastische Frau (2017): OscarprĂ€mierter Film ĂŒber eine trans* Frau.
  • Girl (2018): Spielfilm ĂŒber ein fĂŒnfzehnjĂ€hriges trans* MĂ€dchen.
  • Romeos (2011): Spielfilm um einen schwulen trans* Mann.

Nutze eine genderinklusive Sprache.
ï»ż

Sprache hat einen direkten Einfluss auf unser Denken sowie unsere Wahrnehmung und schafft dadurch RealitĂ€ten. Genderinklusive und -gerechte Sprache ist also ein wesentlicher Faktor fĂŒr einen diskriminierungsfreien Umgang miteinander und fördert aktiv die Gleichstellung aller Geschlechter. Momentan arbeiten wir an der Veröffentlichung eines Leitfadens fĂŒr eine genderinklusive und -gerechte Sprache. Sobald dieser auf unserer Website zur VerfĂŒgung steht, lassen wir es Dich wissen.

Eine konkrete Anlaufstelle stellt fair language dar, die beispielsweise ein Browser Plugin anbieten, das automatisch alternative genderinklusive Formulierungen vorschlĂ€gt. Wer eine Übersicht zu Alternativen fĂŒr bestimmte Begriffe sucht, kann online beim Genderwörterbuch fĂŒndig werden. DarĂŒber hinaus haben wir im Rahmen der EinfĂŒhrung der dritten Option einen HOW TO: Guide herausgebracht, der sich unter anderem mit genderinklusiven Alternativen zu gĂ€ngigen Formulierungen beschĂ€ftigt.

Kennst du eine trans* Person in deinem Umfeld?
ï»ż

Du kennst eine oder mehrere trans* Person(en), weißt aber nicht, wie du sie ansprechen sollst? Dann sind die VorschlĂ€ge zum Punkt “Kommunizieren” hoffentlich hilfreich.
ï»ż

Du kennst keine trans* Person? In Zeiten von Social Media ist es einfacher geworden: Suche beispielsweise mit dem Stichwort “trans*” nach passenden Profilen auf Instagram und trete so mit ihr in Kontakt. Alternativ kannst du dich auch ĂŒber Veranstaltungen fĂŒr LGBT*IQ-Menschen informieren. Die Wahrscheinlichkeit dort mit einer trans* Person ins GesprĂ€ch zu kommen ist sehr viel grĂ¶ĂŸer.

Kommunizieren:

Benutze die Pronomen, die eine trans* Person fĂŒr sich verwendet.

Frage die Person nicht nach ihrem “echten” oder “alten” Namen und den dazugehörigen Pronomen. Respektiere, dass sie diesen abgelegt hat. Benutze einfach das gewĂŒnschte Pronomen, nicht Deine Vermutung. Bei jeglicher Unsicherheit bist Du schon beim nĂ€chsten Punkt.

Habe keine Angst davor Fragen zu stellen, die du auch beantworten wĂŒrdest.

Wenn Dir etwas unklar ist: Frage höflich nach. Dabei gilt, dass Du jede Frage, bei dessen Beantwortung Du dich selbst unwohl fĂŒhlst, einfach nicht stellst.

Wir alle nutzen sie, aber vermeide Aussagen basierend auf Stereotypen ĂŒber trans* Menschen.

Ganz allgemein geben uns Stereotype Sicherheit, indem sie unsere Umwelt ordnen und uns ein positives Zugehörigkeits- sowie SelbstwertgefĂŒhl verschaffen. Dadurch grenzen wir uns von anderen ab, können “das Andere” allerdings auch abwerten. Wenn es beispielsweise um Geschlechterstereotype geht, können Aussagen wie “Du siehst aber aus wie eine echte Frau!” oder “Solche Kleidung trĂ€gt kein richtiger Mann.” verletzend fĂŒr trans* Menschen sein. Denn: der eigene geschlechtliche Ausdruck ist individuell. Akzeptiere die Person so, wie sie ist.

Handeln:
ï»ż

Setze dich fĂŒr die Rechte und gegen die Diskriminierung von trans* Menschen ein.

Nachdem Du dich bereits informiert hast, kannst du jetzt in Aktion treten. Beispielsweise durch die Teilnahme an Demonstrationen, eine Spende an Organisationen oder der ehrenamtlichen TĂ€tigkeit in Vereinen. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten sich fĂŒr die Rechte und gegen die Diskriminierung von trans* Menschen einzusetzen. Recherchiere dazu weiter im Internet. Hier haben wir fĂŒr Dich nur einen kleinen Auszug:

  • Bundesvereinigung trans*: Macht sich fĂŒr geschlechtliche Selbstbestimmung und Vielfalt stark.
  • trans* – Ja und?: Das Projekt wird vom Bundesministerium fĂŒr Familien, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und setzt sich fĂŒr Empowerment und gegen Diskriminierung von jungen trans* Menschen ein.
  • Transmann e.V.: Ein bundesweiter und gemeinnĂŒtziger Verein fĂŒr Frau-zu-Mann (FzM/FtM) Trans* und Inter*-Personen.
  • TransInterQueer e.V.: Dabei handelt es sich um einen Verein, der sich fĂŒr trans*, inter* und queer Menschen einsetzt.
  • PROUT AT WORK-Foundation: Wir setzen uns auch fĂŒr die Chancengleichheit von trans* Menschen am Arbeitsplatz ein und arbeiten dafĂŒr eng mit Unternehmen und LGBT*IQ-Netzwerken zusammen.

Besuche eine Informationsveranstaltung zum Thema trans* in deiner Umgebung.

In deiner Umgebung gibt es sicherlich eine passende Veranstaltung. Egal ob Filmfestival, Themenabend oder ein “Stammtisch” Treffen. Die bereits angefĂŒhrten Websites verweisen auf bevorstehende Termine, an denen auch Du teilnehmen kannst. Informiere dich aber vorher, ob die Veranstaltungen auch wirklich fĂŒr alle offen sind. Wenn nicht, respektiere das und frage einfach nach anderen Terminen, an denen Du teilnehmen kannst. Werde kreativ und halte die Augen offen!

Bleibe interessiert und bilde dich stetig weiter.
ï»ż

Gebe dich nicht mit einmal gelerntem Wissen zufrieden. Jede trans* Person ist genauso einzigartig und individuell wie Du! Lass dich auf sie ein und behandle sie so, wie Du auch behandelt werden möchtest.

Im GesprĂ€ch mit… Joschua Thuir

Berufliche Trans*parenz? Etikettenschwindel nach Vorschrift

Privat heterosexueller Mann, im Dienst homosexuelle Frau – verwirrt? Willkommen im Werdegang von Joschua, der sich selbst ĂŒber fĂŒnf Jahre seiner Polizeilaufbahn zu einem Doppelleben gezwungen sah. Eine Geschichte ĂŒber berufliche Transparenz, Mut und gesellschaftlichen wie gesetzlichen Nachholbedarf.

Joschua Thuir arbeitet als Polizeivollzugsbeamter bei der Bundespolizei am Flughafen Frankfurt, meist in der Ein- oder Ausreisekontrolle. Zu seinen Aufgaben gehört auch die Bestreifung im öffentlich zugĂ€nglichen Bereich der Terminals. In seiner Freizeit engagiert Joschua sich unter anderem bei der Deutschen Gesellschaft fĂŒr TransidentitĂ€t und IntersexualitĂ€t e.V. (dgti), beim Verband lesbischer und schwuler Polizeibediensteter Deutschland e.V. (VelsPol), sowie bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Über diese Netzwerke unterstĂŒtzt er Opfer von Homo- und Transphobie, teilt Erfahrungswerte und schult rechtliche Sicherheit im Umgang mit trans*/inter* Personen.

Aus welchem Grund engagierst Du Dich so stark fĂŒr LGBT*IQ?

 

Joschua Thuir: Es gibt mehrere GrĂŒnde. Einer davon ist meine persönliche Geschichte. Als ich 19 Jahre alt war und mich noch in der Ausbildung befand, stellte ich fest, dass ich mich nicht lĂ€nger mit der mir bei der Geburt zugeordneten weiblichen Geschlechterrolle identifizieren konnte. Auf der Arbeit habe ich mich jedoch erst mit 25 Jahren als TransmannÂč geoutet, da ich befĂŒrchten musste, meinen Beruf zu verlieren, wenn ich meine wahre IdentitĂ€t bereits vor der Verbeamtung auf Lebzeiten preisgebe.

ÂčTransmann ist die selbstgewĂ€hlte Bezeichnung des Interviewpartners. PROUT AT WORK verwendet den Begriff trans* adjektivisch um der FĂŒlle nicht-binĂ€rer Personenkonzepte in Bezug auf geschlechtliche/sexuelle IdentitĂ€t Rechnung zu tragen.

TransidentitĂ€t als Hindernis fĂŒr die Verbeamtung?

 

Joschua Thuir: Indirekt ja. Bei der Polizei gibt es gesundheitliche Voraussetzungen, festgehalten in der Polizeidienstvorschrift 300 (PDV300). Diese werden vor der Einstellung, sowie zur Beendigung der Probezeit ĂŒberprĂŒft. Die PDV300 unterscheidet zwischen MĂ€nnern und Frauen. Bei meiner ursprĂŒnglichen Einstellung als Frau erfĂŒllte ich die weiblichen Kriterien, spĂ€ter jedoch nicht die mĂ€nnlichen. Zum Beispiel benötigen MĂ€nner mindestens einen funktionierenden Hoden – fĂŒr einen Transmann nach derzeitigem medizinischen Stand nicht möglich.

Ein Coming-Out in der Ausbildungs- sowie Probezeit kam fĂŒr mich demnach nicht in Frage. Die Ausschlusskriterien veranlassten mich ein Doppelleben zu fĂŒhren, um meinen Beruf weiter ausĂŒben zu dĂŒrfen: Über fĂŒnf Jahre lang lebte ich privat als heterosexueller Mann, ging aber als homosexuelle Frau zum Dienst.

“Die Angst, dass rauskommt, dass ich alle anlĂŒge war allgegenwĂ€rtig.”

Hatte dieses Versteckspiel Auswirkungen auf Deinen Job?

 

Joschua Thuir: Definitiv. Die Angst, dass rauskommt, dass ich alle anlĂŒge war allgegenwĂ€rtig. Die weibliche Legendierung verlangte dazu unglaublich viel Organisation, Konzentration und Schlagfertigkeit von mir. Ich musste z.B. auf weibliche Pronomen reagieren, obwohl ich mich nicht angesprochen fĂŒhlte. DarĂŒber hinaus gibt es bei der Polizei geschlechterbezogene Maßnahmen. Zwei ganz konkrete Beispiele: Durch entsprechende Formvorschriften, die ausschließlich gleichgeschlechtliche Durchsuchungen erlauben (insofern keine lebensbedrohliche Situation besteht) wurde ich regelmĂ€ĂŸig zu Durchsuchungen von Frauen herangezogen. Weiterhin fĂŒhrte ich hĂ€ufiger unverschleierte Lichtbildabgleiche von verschleierten Frauen bei der Passkontrolle durch. Dies fĂŒhrte gelegentlich zu MissverstĂ€ndnissen aufgrund meines doch eher mĂ€nnlichen Aussehens.

Wo liegen Deines Erachtens weitere BerĂŒhrungspunkte von geschlechtlicher IdentitĂ€t und sexueller Orientierung mit Deinem Beruf?

 

Joschua Thuir: Als Polizist arbeite ich mit dem Gesetz. Unser Grundgesetz kennt bisher jedoch nur zwei Geschlechter. Es heißt dort: „MĂ€nner und Frauen sind gleichberechtigt.“ Die Formulare der Polizei sind daher binĂ€rgeschlechtlich, eine Dritte Option zur Geschlechtsangabe ist bislang nicht vorhanden. Allerdings soll sich dies zum Ende des Jahres Ă€ndern und ein drittes Geschlecht im Gesetz implementiert werden.

Immer öfter sind Transidente und intergeschlechtliche Personen in Besitz eines ErgĂ€nzungsausweises. Dieser Ausweis kann in Kontrollsituationen ergĂ€nzend ausgehĂ€ndigt werden und klĂ€rt ĂŒber die Rechtslage und die IdentitĂ€t der Person auf. Quasi ein Hilfsmittel fĂŒr die Polizei. Allerdings ist dieser Ausweis noch recht unbekannt.

Im Bereich des Asylgesetzes gibt es auch Schnittstellen. Die Verfolgung homosexueller sowie transidenter Personen ist mittlerweile als Fluchtgrund anerkannt. Im Rahmen des Asylverfahrens mĂŒssen diese Personen zum einen die Verfolgung, zum anderen aber auch ihre Orientierung bzw. geschlechtliche IdentitĂ€t dem Bundesamt fĂŒr Migration- FlĂŒchtlinge als bearbeitende sowie entscheidende Stelle nachweisen. In meinem beruflichen Alltag kam es vor, dass Personen aus diesen GrĂŒnden ein Asylbegehren mir gegenĂŒber geĂ€ußert haben.

Welche beruflichen Erfahrungen hast Du denn nach Deinem lesbischen Coming-Out gemacht?

 

Joschua Thuir: Ich hatte ja mehrere Coming-outs. In der Ausbildung habe ich mich als vermeintlich lesbisch geoutet – mit einigen negativen Reaktionen der anderen AnwĂ€rter_innen. Es kam zu einigen verbalen Angriffen wie zum Beispiel „Mannsweib” oder zu nonverbalen Schikanen, wie das AmĂŒsieren ĂŒber mein Ă€ußerliches Erscheinungsbild in der Gruppendusche. Von meinen damaligen Vorgesetzten fĂŒhlte ich mich mit den tĂ€glichen Problemen ebenfalls alleingelassen. Als fĂŒr mich klar war, dass ich mich als Mann identifiziere, habe ich mich in der Ausbildung niemanden mehr anvertraut. Daran erinnere ich mich nicht gerne zurĂŒck. Leider hatte ich damals nicht den Mut und die Kraft, mich an die nĂ€chsthöhere Instanz zu wenden und mir fehlten Informationen z.B. zu VelsPol um auf anderem Wege um Hilfe zu bitten.

“Kollegen aus dem Fortbildungsbereich waren nach meinem Outing sehr daran interessiert meine Expertise zu nutzen.”

Und wie waren Deine Erfahrungen, als Du Dich als Transmann geoutet hast?

 

Joschua Thuir: Als ich mich dann nach den erwĂ€hnten fĂŒnf Jahren als Transmann bei der Bundespolizei outete, erfuhr ich deutlich positivere Reaktionen, aber auch hier kristallisierten sich einige Wenige mit fehlenden sozialen Kompetenzen heraus

Der nĂ€chste Schritt mĂŒsste von weiter oben kommen, bisher habe ich darauf leider vergeblich hingewiesen. So muss ich damit leben, dass es Kollegen gibt, die mich ignorieren, selbst wenn man gemeinsam Streife lĂ€uft und sich eigentlich blind aufeinander verlassen muss. Ich musste lernen damit umzugehen.

Kollegen aus dem Fortbildungsbereich waren nach meinem Outing sehr daran interessiert meine Expertise zu nutzen. Gemeinsam mit einem weiteren transidenten Kollegen sollte ich einen Vortrag fĂŒr die Luftsicherheitsschulung erstellen. Hierzu wurde ich sogar fĂŒr 2 Tage nach Berlin entsendet.

Wie sind Deine Vorgesetzten mit Deinem Outing umgegangen?

 

Joschua Thuir: Meine damaligen Vorgesetzten recht unterschiedlich, im großen Ganzen positiv bis unbeholfen. Ich habe eine Polizeitrainerin gebeten, mich gegenĂŒber meinen direkten Vorgesetzten zu outen und sie zu bitten das in der Hierarchie weiterzugeben. Dies, um allen die Möglichkeit zu gegeben, ins Transsexuellengesetz zu schauen und um sich vor einem GesprĂ€ch mit mir mit dem Thema vertraut zu machen. Leider gab es trotzdem Verwirrungen auf allen Seiten, die sich leider nicht immer in Klarheit oder gar Wohlgefallen auflösen konnten.

In solchen FĂ€llen kommt es, wie so oft, auf jede_n Einzelne_n an. Engagierte Vorgesetzte nehmen Diskriminierungen den Wind aus den Segeln. Andere wiederum sind weniger (pro)aktiv oder gar konfliktscheu.

“Zuletzt wĂŒnsche ich mir, dass man sich als LGBT*IQ Person weder in der Ausbildung, noch an der spĂ€teren Dienststelle alleingelassen fĂŒhlt und niemand mehr Angst vor einem Coming-Out in der Behörde haben muss.”

Was wĂŒnschst Du Dir zukĂŒnftig fĂŒr die Sichtbarkeit von LGBT*IQ an Deinem Arbeitsplatz?

 

Joschua Thuir: Ich wĂŒnsche mir, dass LGBT*IQ-Sachverhalte in der Aus- und Fortbildung implementiert werden, da Fehlverhalten meist aus Unwissenheit und Unsicherheit resultiert. Polizeibedienstete sollten auf Ausnahmeregelungen zumindest aufmerksam gemacht werden, um ihre Aufgaben auch den etwa 10 % der Bevölkerung gegenĂŒber, die nicht heterosexuell oder cisgeschlechtlichÂČ sind, selbstbewusst und rechtssicher erfĂŒllen zu können.

DarĂŒber hinaus wĂŒnsche ich mir, dass die Bundespolizei dem Leitbild entsprechend Stellung zu LGBT*IQ Mitarbeiter_innen bezieht, zu dem Themenbereich mehr AufklĂ€rung leistet und die PDV 300 durch das Bundesministerium des Innern derartig ĂŒberarbeiten lĂ€sst, damit Trans- und intergeschlechtliche Personen nicht ohne Weiteres als polizeidienstuntauglich eingestuft werden können. Zuletzt wĂŒnsche ich mir, dass man sich als LGBT*IQ Person weder in der Ausbildung, noch an der spĂ€teren Dienststelle alleingelassen fĂŒhlt und niemand mehr Angst vor einem Coming-Out in der Behörde haben muss. Hierzu mĂŒsste die Bundespolizei die Anzahl der beauftragten Ansprechpersonen erhöhen und den Adressatenkreis von LS auf LSBTIQ erweitern, so wie es bei einigen Landespolizeien bereits der Fall ist. Diese Beauftragung soll nicht nur ein Nebenamt ohne Verpflichtungen bedeuten, sondern auch aktiv fĂŒr Sensibilisierungs- bzw. Antidiskriminierungsarbeit innerhalb und außerhalb der Behörde genutzt werden. Erste Schritte in die richtige Richtung sind bereits erfolgt – ich wĂŒrde mich freuen diesen Weg gemeinsam mit der UnterstĂŒtzung der Behörde fortzusetzen.

ÂČDer Begriff bezeichnet Menschen, deren GeschlechtsidentitĂ€t mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt.